125 Jahre Bahnhofsmission

Unterwegs sein – auf dem Weg sein

Eine Image-Kampagne zum 125-jährigen Jubiläum der ersten und ältesten Bahnhofsmission Deutschlands – der Bahnhofsmission am Berliner Ostbahnhof mit Porträtfotografien von Angela Kröll.

Träger der Bahnhofsmission Ostbahnhof ist IN VIA, das heißt „auf dem Weg“ sein. Da sein für Menschen, die Orientierung und Hilfe brauchen: Einsame, Alte, Junge, Arme, Obdachlose, Reisende – Leute, die sich oft auch im übertragenen Sinne auf dem Weg befinden. Für sie ist die Bahnhofsmission seit 125 Jahren ein Ort, um auszuruhen, sich aufzuwärmen, etwas zu essen, sich frisch zu machen, ein Stückchen Geborgenheit zu finden. 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche sind die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hier für sie da. Jahr für Jahr kommen 50.000 Besucherinnen und Besucher, werden 90.000 Mahlzeiten ausgegeben und 6.000 Beratungen durchgeführt. Wenn diese Mauern Geschichten erzählen können… mag man sich denken. Das war der Ansatz der Fotografin. Seit 2017 porträtiert Kröll mit ihrer Kamera Menschen, die unterwegs sind und in der Bahnhofsmission Zwischenstation machen. Dabei erzählen die Gäste ihre Geschichte über ihre Reise und ihre Begleiter durch ihr Leben. Eindrücke, die berühren und einen Blick hinter die Fassade erlauben.

Wenn man will, geht das … 
Meine Freundin hat mich rausgeworfen, da wusste ich nicht wohin, und da bin ich hier zur Bahnhofsmission. Ich hab im Internet geguckt, wer kann mir helfen, und da bin ich hierher.
Frau Czaika hat mir wichtige Tipps gegeben und telefoniert und alles. Sie hat mich erst mal untergebracht, dass ich ein Zimmer in der Notunterkunft hatte, und dann bin ich jeden Tag hierher, und sie sagte: „dahin und dahin und dahin“, und Roberto hat mir Sachen ausgedruckt, und dann bin ich da hingegangen. Und nach drei Wochen hab ich meine Wohnung gehabt. Ich hab mich auch richtig auf den Arsch gesetzt … Wenn man will, geht das, man muss nur wollen.
Ich hab hier auch schon Spenden abgegeben, von meinem ersten Gehalt hab ich gleich 20 Euro hergebracht, die haben so viel für mich gemacht, da muss man sich irgendwie erkenntlich zeigen.
Auf der Straße ist kein Leben für mich, ne, ich muss arbeiten, ich muss mich bewegen und so. In den drei Wochen bin ich fast jeden Tag hierhergekommen. Da war ja auch das Geld knapp, essen muss jeder.
Ich arbeite jetzt auf Montage, Industriemontage. Ich hab Fleischer gelernt. Im Internet hab ich gesucht und gesucht und hab mich angeboten als Hilfsarbeiter und bin jetzt innerhalb von kürzester Zeit aufgestiegen. Der Chef sagt: „Du kannst das, du machst das und fertig.“
(Tobias)

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Menschlichkeit am Zug

Die Bahnhofsmission am Berliner Ostbahnhof ist die älteste Bahnhofsmission in Deutschland und die einzige, die in der DDR betrieben wurde. Vor 125 Jahren wurde sie am heutigen Berliner Ostbahnhof – damals hieß er Schlesischer Bahnhof – gegründet und war Ideengeberin von inzwischen über hundert Bahnhofsmissionen in Deutschland.

Bürgerliche Frauen aus den katholischen, evangelischen und jüdischen Gemeinden begannen kurz vor der Jahrhundertwende jungen Frauen aus ländlichen Gebieten, die auf Arbeitssuche nach Berlin kamen und oft Opfer von sozialer und sexueller Ausbeutung wurden, Hilfe anzubieten.

Im Laufe der Geschichte haben sich die Aufgaben verändert und uns immer wieder vor neue gesellschaftliche Herausforderungen gestellt. Heute kümmern wir uns zunehmend um psychisch auffällige, suchtmittelabhängige oder wohnungslose Menschen, die in der Bahnhofsmission oft ihre erste oder ihre letzte Anlaufstelle sehen.

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